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Der Geruch von Diesel liegt in der Luft. Abgasschwaden ziehen vorbei. Dröhnen, Knattern, Vibrationen. Das hier soll ein ruhiger, entspannter Sonntagsausflug werden? Rund 20 Hartgesottene haben sich genau deswegen in aller Frühe in Monschau-Imgenbroich versammelt. Das Ganze auch noch bei leichtem Regen und nur mauen 10 Grad Lufttemperatur. Andere ziehen sich da lieber noch einmal die Bettdecke über den Kopf. Nicht so die Mitglieder vom Treckerverein Monschauer Land e.V.: Sie starten zur ersten gemeinsamen Ausfahrt der Saison. „Mir sin eben all e bissje jeck“, sagt Gründungsmitglied Klaus Schmitz und meint damit natürlich nicht nur die wetterfeste Ruhelosigkeit am Sonntagmorgen. Die Leidenschaft zu alten Treckern (in anderen Landstrichen auch Traktoren, Schlepper oder Bulldogs genannt) treibt so manche Blüte. Da muss es für den einen unbedingt ein Trecker mit dem gleichen Baujahr wie der Fahrer sein, ein anderer fährt aus Spaß als Müllsammler hinter dem Erntedankumzug her, weitere planen eine Reise mit Trecker und Wohnwagen nach Österreich über die Großglockner Hochalpenstraße.

René Schmitz, Geschäftsführer Treckerverein Monschauer Land e.V.
René Schmitz, Geschäftsführer Treckerverein Monschauer Land e.V.

Was ist denn das Faszinierende an den „ollen“ Treckern? Die Geschwindigkeit kann es ja nicht sein. Die meisten Oldtimer im Verein haben eine Höchstgeschwindigkeit von um die 20 km/h. „Doch, es ist auch die Geschwindigkeit, die so reizvoll ist“, sagt Geschäftsführer René Schmitz, der selbst mit einem Mercedes-Benz Unimog 406, Baujahr 1967, unterwegs ist. „Bei nie mehr als 20 km/h auf unseren Ausfahrten kann man gar nicht anders, als mental herunterzufahren und zu entschleunigen.“ Das Rustikale, das Fehlen von Komfort-Schnickschnack und Elektronik, die Möglichkeit, selbst an Motor und Karosserie zu schrauben und alte Schätzchen in Stand zu setzen, die im Alltag auch noch sehr nützlich sind, das alles macht die Begeisterung an den landwirtschaftlichen Kraftmeiern aus. Umso besser, dass das Hobby in der Gemeinschaft gepflegt werden kann. Das ist im Monschauer Land erst seit 2010 möglich – so jung ist der Verein mit den zum Teil sehr alten Zugmaschinen nämlich.

Klaus Schmitz mit dem Trecker-Senior des Vereins, einem Deutz F1M 414, Baujahr 1946.
Klaus Schmitz mit dem Trecker-Senior des Vereins, einem Deutz F1M 414, Baujahr 1946.

Methusalem ist ein Deutz F1M 414 aus dem Jahr 1946, der auf Gut Reichenstein in Kalterherberg jahrelang seine Dienste tat, aber jetzt von Klaus Schmitz gehegt und gepflegt wird. Aus einem Zylinder mit 1100 ccm Hubraum holt der betagte Deutz 11 PS und 15 km/h Spitze. So tuckert er oft als Leittrecker bei gemeinsamen Ausfahrten vorne weg. Abgehängt werden soll schließlich niemand. „Ach herrjeh“, werden eilige Autofahrerinnen und Autofahrer jetzt sicher denken, „Hoffentlich treffe ich diese Traktoristen nie auf der Straße an. Wie soll ich denn eine ganze Trecker-Karawane überholen?“ Keine Panik! Die Vertreter der Langsamkeit halten für die Überholvorgänge der anderen Verkehrsteilnehmer ganz rücksichtsvoll genug Abstand.

Auch wenn es im Verein in erster Linie um die „Erhaltung, Pflege, Nutzung und Präsentation alter Traktoren und land- wirtschaftlicher Geräte als technisch-historisches Kulturgut“ geht, wie die Vorsitzende Iris Braun die Satzung des Vereins zitiert, stehen Gemeinschaft (er-)leben und Geselligkeit pflegen ganz oben auf dem Plan. Als nächste Veranstaltung findet vom 30.06.2017 bis 02.07.2017 auf dem Campingplatz Perlenau ein Trecker Camp für den Nachwuchs statt. Warum sollte der sich mit Spielzeugtraktoren begnügen? Auch für die jungen Trecker-Fans heißt es später dann sicher: Aufsitzen vorglühen und loskesseln! ●

Text: claudia.traeger@glanzpunkt-eifel.de
Fotos: Kirsten Glauner, Ralph Sondermann

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