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Mir funkt jemand dazwischen. Ja natürlich, Hans-Jürgen Bersch mit dem Rufzeichen DL7ATR, ein leidenschaftlicher Amateurfunker aus Simmerath. Er ist Vorsitzender des Ortsverbandes G26 Nordeifel im Deutschen-Amateur-Radio-Club (DARC). Der Ortsverband hat derzeit 21 Mitglieder, die ihr technisches Hobby mit über 67.500 Menschen in Deutschland und mehr als zwei Millionen weltweit teilen. „Die meisten haben einfach Spaß an Technik und Elektronik und wollen das mit Kommunikation verbinden“, berichtet Bersch. Welche Voraussetzungen muss man als Amateurfunker erfüllen, will ich von ihm wissen. Selbst wenn man nur in der Freizeit funkt – ohne Lizenz geht es nicht, denn Amateurfunk ist ganz offizieller Funkdienst. Wer auf Amateurfunk-Frequenzen senden möchte, muss eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur absolvieren. Die Einsteigerklasse „E“ verlangt Kenntnisse in Technik, Betriebs- und Gesetzeskunde. Für die Klasse „A“ – von Langwelle ab 400 Kilohertz bis weit in den Gigahertz-Bereich (GHz) – werden vertiefend die Themenbereiche Schaltungsaufbau, Ausbreitungsbedingungen und Antennenbau abgefragt. Nach Erhalt der Lizenz gibt’s ein per- sönliches Rufzeichen, mit dem der Hobbyfunker auf der ganzen Welt eindeutig zu identifizieren ist.

Mit Richtantenne und Funk-Unimog

Hans-Jürgen Bersch hat mit dem Unimog eine mobile Funkstation
Der Funk-Unimog von Hans-Jürgen Bersch

Abhängig von der Distanz, die zum Kommunikationspartner überbrückt werden muss, wird die passende Welle gewählt und schon können Sprach- und Textnachrichten, Bilder und E-Mails versandt werden. Mit einem entsprechenden Rechner sind Ortung und Speicherung der einzelnen Verbindungen möglich. „Verschlüsselungen sind nicht erlaubt, alle Nachrichten müssen offen verschickt werden“, erklärt Bersch. Für eine weltweite Verbindung über Kurzwelle reichen schon ein paar Meter Draht. Für die Ultrakurzwelle (UKW) hat Bersch eine riesige Richtantenne in seinem Garten. Im Keller befindet sich sein Funkzentrum mit einer beeindruckenden Gerätevielfalt, aber auch im Auto „funkt“ es, und seit fünf Jahren besitzt er einen Funk-Unimog, ausgerüstet mit dazugehöriger Funktechnik. Tragbare Kofferstationen gehören ebenfalls zu Berschs Equipment.

Erde-Mond-Erde-Verkehr

Spannendes Detail: Der Mond kann als Reflektor benutzt wer- den, um größere Entfernungen auf UKW zu erreichen. Beim „Aurora-Effekt“ wird die Antenne nach Norden gerichtet und die Signale werden über die wunderschön anzuschauenden Nordlichter reflektiert. „Hört sich im Empfang total verschred- dert an, aber man gewöhnt sich dran“, weiß Bersch zu berichten.

QSL: Ich gebe Empfangsbestätigung

QSL-Karten
QSL-Karten

QSL ist ein Q-Schlüssel aus der Morsetelegraphie. Beim Morsen muss es schnell gehen. Daher sind Standardsätzen nur drei Zeichen – das erste ist immer ein Q – zugeordnet. Mit dem Versand der sogenannten QSL-Karte bestätigt der Funkamateur eine er- folgreiche Funkverbindung. Sie gilt auch als Visitenkarte und wird daher oft fantasievoll und aufwändig gestaltet. Bersch hat bereits einige Ordner mit Karten von weltweiten Funkstationen gefüllt. Die Karten sind beliebte Sammelobjekte unter Kurzwellenhörern und Sendeamateuren.

Verbindungen rund um den Globus und ins All

Aus der Funkpraxis von Hans-Jürgen Bersch heraus resultie- ren unvergessliche Erlebnisse und spannende Funkverbindungen. „Ich hatte im Auto in Polen eine Verbindung mit einem unbekannten Flugingenieur. Der war im Privatjet von Kuwait nach Frankreich unterwegs. Eine Stunde haben wir uns ausge- tauscht“, so eine seiner Erinnerungen. Ein weiteres Highlight: „Ich konnte dem deutschen Astronauten Thomas Reiter bei seinem Einsatz auf dem Raumschiff MIR zuhören und hatte auch Verbindungen zu russischen Funkstationen in der Antarktis.“

„Amateurfunker sind nicht antiquarisch, denn wenn Internet und Handynetze versagen, sind wir immer noch in der Lage, zu kommunizieren“, so Berschs Schlusswort zu einem spannenden Hobby. ●

Fotos: privat, Peter Meurer

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