TEILEN

Die aus eigener Initiative erbaute Hubertuskapelle in Mechernich-Floisdorf feiert an Pfingsten ihr 10-jähriges Bestehen

Wenn man von Eicks auf Floisdorf zufährt, fällt einem schon von Weitem eine Kapelle auf einem Hügel auf, die über das Dorf zu wachen scheint. Stilistisch korrespondiert die Kapelle mit der Dorfkirche St. Pankratius. Wer nun glaubt, dass die beiden sakralen Gebäude in der gleichen Zeit entstanden sind, der irrt! Der Grundstein für die Kirche wurde Pfingsten 1890 gelegt – sie ist damit 125 Jahre alt, die Hubertuskapelle hingegen wurde erst Pfingsten 2005 eingesegnet.
Eigentlich verdankt die Kapelle ihr Entstehen der bierseeligen Idee einiger Floisdorfer: „Pfingsten 2002 haben wir in unserer Dorfkneipe die erfolgreiche Instandsetzung unserer Wegekreuze begossen“, erzählt Johannes Inden, der Dorf-Chronist. „Dabei kam die Idee auf, dass wir ja mehrere Wegekreuze hätten, aber keine Kapelle. Und so beschlossen wir kurzerhand, eine eigene Kapelle zu bauen. Schnell war auf einem Bierdeckel eine Skizze gemacht, und jeder Gründervater setzte seine Unterschrift darunter.“ Zu den Gründern Johannes Inden, Theo Esser, Gottfried Brauner, Hubert Schilles, Franz-Josef Esser und Julius Esser gesellte sich am nächsten Tag noch der damals bereits 86-jährige Ortsvorsteher Josef Drügh. Und jetzt ging alles zügig voran: Die sieben Männer gründeten einen Verein, sammelten Spendengelder und ließen sich zu Geburtstagen Geld für den Kapellenbauverein schenken. Ein ortsansässiger Architekt machte aus dem Bierdeckelentwurf die Zeichnung einer baufähigen Kapelle. Ein passendes Grundstück wurde gesucht und gefunden und auch der Bauantrag kurzfristig gestellt.

IMG_9220

Nach einigen Schwierigkeiten konnte Pfingsten 2003 der Grundstein gelegt werden. Schon ein Jahr später war der Rohbau fertig, für den Innenausbau und die Einrichtung wurde ein weiteres Jahr benötigt. „Schon nach drei Jahren, Pfingsten 2005, war die Kapelle fertig und konnte eingesegnet werden“, erzählt Herr Inden. „Für das Mauerwerk haben wir alte Feldbrandsteine einer Abbruchvilla aus Zülpich verwenden können. Aus dem Berg Steine sortierten die damals über 70-jährigen Floisdorfer Rentner die brauchbaren Seine aus und stapelten sie. Eine Mordsarbeit im heißen Sommer 2003.“ Gottfried Brauner ergänzt: „Es haben alle Floisdorfer mit angepackt beim Bau ihrer Kapelle. Wer nicht mitarbeiten konnte, hat Getränke spendiert, Brötchen geschmiert oder Kuchen gebacken. Auch die Jugendlichen waren auf der Baustelle aktiv.“ Ein vorbildliches Gemeinschaftsprojekt, das das gesamte Dorf zusammengeschweißt hat. Neben vielen Angelernten haben ein Elektriker, Pflasterer, Maurer, Zimmermann, Dachdecker, Schreiner und Schmied aus Floisdorf und Umgebung ehrenamtlich oder gegen eine Kostenpauschale auf der Baustelle mitgewirkt. „Die Fenster stammen z.B. aus einer alten Kapelle aus Mechernich-Vussem. Sie waren eingelagert und so verdreckt, dass man die Glasfarben nicht mehr erkennen konnte. Die einzelnen Fenster wurden von vielen Floisdorfer Händen gereinigt, auseinandergenommen und wieder neu verbleit. Pro Fenster übrigens 900 bis 1.000 Lötstellen. Ein erfahrener Ruheständler war damit einen Winter lang beschäftigt“, erläutert Herr Inden. „Auch die Bänke stammen aus Vussem, die Bronzeglocke wurde in Brockscheid für uns gegossen und die Figuren in der Kapelle kommen aus dem Schwarzwald.“ Johannes Inden hat übrigens eine ganz detaillierte bebilderte Chronik über den Bau verfasst. In der Kapelle selbst liegt ein kleinerer Auszug für den interessierten Besucher. Durch vieler Hände Arbeit ist eine wunderschöne Kapelle entstanden, die täglich von Einheimischen, Wanderern und Pilgern besucht wird. Bei schönem Wetter werden bis zu 60 Opferkerzen pro Tag entzündet. Die Hubertuskapelle ist täglich ab 8 Uhr geöffnet und lädt zur stillen Einkehr ein.

IMG_9226

TEILEN

1 KOMMENTAR

Comments are closed.